Das tschechische öffentlich-rechtliche Fernsehen widmete dem historischen Jubiläum am 22. Oktober 2026 einen ausführlichen Beitrag. S.K.K.H. Erzherzog Karl von Habsburg-Lothringen spricht über die gemeinsame europäische Geschichte, die Zukunft der Europäischen Union und die sicherheitspolitischen Herausforderungen der Gegenwart. Anschließend ordnet der Historiker Jaroslav Šebek die fast 400-jährige habsburgische Herrschaft in den böhmischen Ländern ein.
22. října – Události, komentáře | Česká televize Der Bericht mit Interview mit S.K.K.H. Erzherzog Karl beginnt bei Minute 22:14.

Interview mit Erzherzog Karl von Habsburg-Lothringen
Česká televize – Události, komentáře
22. Oktober 2026
Deutsche Übersetzung der tschechischen Fernsehfassung
1. Das Habsburg-Jubiläum und die Bedeutung Prags
Journalist:
Wir kommen heute anlässlich des 500. Jahrestages der Thronbesteigung der Habsburger in Böhmen zusammen. Warum ist es Ihnen wichtig, die ehemaligen Königreiche wie die heutige Tschechische Republik zu besuchen?
Erzherzog Karl:
Ich denke, wir erinnern heute an einen Tag, der für ganz Europa von Bedeutung war, nicht nur für Böhmen oder Prag.
Es war eine Zeit, in der gewissermaßen ein neues Europa entstand, in der Mitteleuropa an Bedeutung gewann.
Von Prag ging ein Geist aus, der Europa geprägt hat.
Und es ist wichtig, gerade heute daran zu erinnern, wenn wir in Europa vor zahlreichen Problemen stehen, sei es innerhalb der Europäischen Union oder an unseren Grenzen, und wenn Europa erneut eine Umgestaltung erlebt.
Es ist wichtig, in die Vergangenheit zurückzublicken und sich bewusst zu machen, dass wir Ähnliches bereits erlebt haben. Wir müssen betrachten, welche Folgen dies damals hatte, damit daraus eine Erneuerung entstehen kann.
2. Das Ende der Habsburgermonarchie
Journalist:
Wie beurteilen Sie heute aus historischer Sicht das Ende der Habsburgermonarchie? War es ein Fehler? War es eine historische Notwendigkeit?
Erzherzog Karl:
Es war schlicht etwas, das sich aus dem Weltkrieg ergab. Und das war keineswegs ein unbedeutendes Ereignis. Auch dadurch wurde Europa grundlegend verändert.
Ich bemühe mich stets, Optimist zu sein.
Wenn ich heute auf die Tschechische Republik blicke und sehe, was dieses Land in den vergangenen Jahrzehnten während der Zeit des Totalitarismus und des Kommunismus durchgemacht hat und was daraus entstanden ist, dann bestärkt mich das darin, das zu bleiben, was ich immer gewesen bin: ein Optimist.
Wir haben immer die Möglichkeit, uns für das Gute und für wirksames Handeln zu entscheiden, selbst in Zeiten, die so düster erscheinen wie die heutigen.
3. Die Europäische Union und die Habsburgermonarchie
Journalist:
Sie haben die Europäische Union erwähnt. Wäre es gerechtfertigt zu behaupten, dass die Europäische Union bei der Vereinigung der europäischen Völker erfolgreicher gewesen ist als die einstige Monarchie?
Erzherzog Karl:
Ich weiß nicht, ob dieser Vergleich wirklich gerechtfertigt ist. Wir sprechen hier von zwei vollkommen unterschiedlichen politischen Strukturen.
Natürlich hat auch die Europäische Union zahlreiche Fehler, die ich gerne behoben sehen würde.
Gleichzeitig bin ich aber ein leidenschaftlicher Europäer und ein großer Befürworter der Europäischen Union.
Wir können aus der Vergangenheit lernen. Wir können aus den Fehlern lernen, die zur Zeit der Monarchie begangen wurden. Und wir können ebenso betrachten, was damals tatsächlich funktioniert hat.
Ich möchte Ihnen ein klassisches Beispiel nennen.
Wenn ich ins Mittelalter zurückblicke, in jene Zeit, als in Burgund der Orden vom Goldenen Vlies gegründet wurde, dann entstand dort eine Einrichtung, in der die Herrscher verschiedener Länder zusammensaßen und miteinander über Krieg und Frieden sprachen.
Und wenn ich heute auf die Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union blicke, dann sehe ich etwas, das es bereits vor 500 oder 600 Jahren gegeben hat.
Deshalb sage ich, dass wir aus der Geschichte lernen können.
Nur wenn wir aus der Vergangenheit lernen, können wir daraus Folgerungen für die Zukunft ziehen.
4. Die drei wesentlichen Schwächen der Europäischen Union
Journalist:
Sie haben die Schwächen der heutigen Europäischen Union angesprochen. Welche sind das Ihrer Meinung nach, und wie sollten sie behoben werden?
Erzherzog Karl:
Für mich gibt es drei wesentliche Schwächen.
Die erste besteht darin, dass wir keinen Außenminister haben.
Ich habe außerordentlich großen Respekt vor Frau Kaja Kallas. Meiner Ansicht nach leistet sie hervorragende Arbeit.
Aber sie erfüllt lediglich die Aufgaben eines Mitglieds der Kommission, anstatt eine wirkliche Außenministerin zu sein.
Ebenso brauchen wir eine europäische Verteidigungsstruktur.
Wir benötigen also einen tatsächlichen Verteidigungsminister, dem ein entsprechender Verwaltungsapparat untersteht. Etwas Derartiges haben wir nicht.
Und die dritte Schwäche, die ich erwähnen möchte – natürlich gibt es noch weitere –, besteht darin, dass wir seit dem Vertrag von Maastricht davon sprechen, dass das Subsidiaritätsprinzip ein grundlegendes Prinzip der Europäischen Union ist.
Dieses Prinzip müssen wir endlich tatsächlich umsetzen.
Denn dadurch würden wir einige unnötige Zuständigkeiten beseitigen, die die Europäische Union heute besitzt. Gleichzeitig könnten wir die europäischen Einrichtungen mit jenen wichtigen Befugnissen ausstatten, die tatsächlich auf europäischer Ebene angesiedelt sein sollten.
Dazu gehören die Außenpolitik, die Sicherheit und selbstverständlich auch Bereiche wie der Umweltschutz. Denn wir wissen, dass Umweltprobleme keine Grenzen kennen und diese überschreiten.
Es gibt also bestimmte Zuständigkeiten, welche die Europäische Union haben sollte und die sie auch wirksamer wahrnehmen müsste.
Andere Zuständigkeiten hingegen sollten auf die nationale oder regionale Ebene übertragen werden.
Die tatsächliche Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips wäre für mich deshalb ein ganz entscheidender Punkt.
5. Die Ukraine und die Rolle Europas bei Friedensverhandlungen
Journalist:
Sie haben die Verteidigung angesprochen, die in Europa heute sehr eng mit dem Krieg in der Ukraine verbunden ist.
Sie selbst engagieren sich sehr stark für die Unterstützung der Ukraine.
Sollte Europa Ihrer Ansicht nach bei den diplomatischen Bemühungen um einen Frieden eine größere Rolle spielen, wie es heute auch der tschechische Präsident gefordert hat?
Wie sollte das geschehen, und wer sollte dabei Europa vertreten?
Erzherzog Karl:
Es geht nicht nur um diplomatische Bemühungen.
Europa unternimmt tatsächlich sehr große Anstrengungen, um die Ukraine auch militärisch zu unterstützen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass die Waffen, die in die Ukraine geliefert werden, keineswegs irgendwelche großzügigen Geschenke der Vereinigten Staaten sind.
Diese Waffen werden mit europäischem Geld gekauft, damit wir uns in der Ukraine selbst verteidigen können.
Das ist schlicht eine weitere Seite dieser Angelegenheit.
Und selbstverständlich müssen wir auch auf diplomatischem Gebiet sämtliche verfügbaren Einflussmöglichkeiten nutzen.
Was ich derzeit beobachte, gefällt mir überhaupt nicht: dieses Konzept von Verhandlungen zwischen Russland, den Vereinigten Staaten und der Ukraine.
Meiner Ansicht nach muss Europa unbedingt einen Platz am Verhandlungstisch haben, weil wir unmittelbar davon betroffen sind.
Eine Niederlage der Ukraine würde uns sehr viel stärker treffen, als sich die Menschen heute vorstellen können.
Sie hätte unmittelbare Auswirkungen.
Fragen Sie irgendjemanden im Baltikum, in Polen oder in Moldau, in all diesen Grenzländern, was eine solche Entwicklung für sie bedeuten würde.
Das ist erschreckend.
Wir sollten uns dessen bewusst sein und darauf bestehen, dass Europa die Rolle übernimmt, die ihm zusteht.
6. Die amerikanische Ukrainepolitik
Journalist:
Wie beurteilen Sie die jüngste Veränderung, oder zumindest das, was wie eine Veränderung aussieht, in der amerikanischen Politik gegenüber der Ukraine? Wir sprechen von den Entwicklungen der vergangenen Tage.
Erzherzog Karl:
Ich muss gestehen, dass mir dabei nur ein einziges Wort in den Sinn kommt: Verrat.
Man hat einen Partner, den man über lange Zeit unterstützt hat und der die eigenen Werte verteidigt.
Und plötzlich lässt man ihn fallen und unterstützt seinen Gegner, der genau das Gegenteil dieser Werte verkörpert.
Man unterstützt ein Regime, das Menschen ermordet, andere Länder angreift, Kinder entführt und umerzieht und das in einem unglaublichen Ausmaß Zivilisten und zivile Infrastruktur bombardiert.
All das sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
7. Hybride Angriffe und die Gefahr eines dritten Weltkrieges
Journalist:
Noch eine Frage.
Die Ukraine wird offen und mit militärischer Gewalt angegriffen. Aber gegenwärtig wird in Europa auch viel über sogenannte hybride Angriffe gesprochen.
Wissen wir, wie wir uns dagegen verteidigen können?
Erzherzog Karl:
Ich fürchte, ich muss sagen: Nein, wir wissen nicht, wie wir uns dagegen verteidigen können.
Denn bislang sind wir nicht in der Lage, eine angemessene Antwort auf die hybriden Angriffe zu finden, die bereits stattfinden.
In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu wissen, wie die Zukunft einmal auf die Zeit zurückblicken wird, in der wir heute leben.
Erleben wir bereits den Dritten Weltkrieg?
Wenn ich die hybriden Angriffe betrachte, dann ist meine persönliche Auffassung, dass wir uns bereits in der Anfangsphase eines offenen Krieges befinden.
Daran habe ich keinen Zweifel.
Russland zwingt uns diesen Krieg auf.
Es wäre allerdings sehr interessant zu erfahren, wie die Zukunft über uns urteilen wird.
Und ich hoffe, dass ich lange genug leben werde, um das noch selbst zu erleben.
8. Abschluss
Journalist:
Ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihre Zeit und Ihre Antworten.
Erzherzog Karl:
Ich danke Ihnen.

Die böhmischen Länder und die Habsburger – historische Bilanz und Lehren für die Gegenwart
Gespräch mit dem Historiker und Publizisten Jaroslav Šebek
Česká televize, Události, komentáře – 22. Oktober 2026
Deutsche Übersetzung des tschechischen Originals.
1. Die böhmischen Länder und die Habsburger
Moderator:
Über die habsburgische Epoche und mögliche Parallelen zur Gegenwart sprechen wir jetzt mit dem Historiker und Publizisten Jaroslav Šebek. Guten Abend.
Jaroslav Šebek:
Guten Abend.
Moderator:
Die böhmischen Länder und die Habsburger: Wie schicksalhaft war diese Verbindung für uns?
Jaroslav Šebek:
Ich denke, es war ein außerordentlich bedeutendes Bündnis beziehungsweise eine sehr enge Verbindung, die bekanntlich 1918 endete.
Heute müssen wir versuchen, uns ein möglichst objektives Bild davon zu machen, was wir während dieser Zeit erlebt haben.
Denn unmittelbar nach 1918 kamen jene Parolen auf, nach denen wir 300 Jahre lang unter habsburgischer Knechtschaft gelitten hätten.
Die gesamte Zwischenkriegsrepublik verstand sich gewissermaßen als Gegenentwurf zur Habsburgermonarchie. Ähnliches galt für Österreich, das 1918 als Republik entstand.
Aber schon damals gab es durchaus nostalgische Rückblicke auf die Vergangenheit.
Nicht zufällig wurde beispielsweise Präsident Masaryk bis zu einem gewissen Grad mit den Eigenschaften eines gütigen Monarchen verbunden: „Väterchen Masaryk“.
Später entstanden natürlich auch Vorstellungen, wonach es möglicherweise 1933 nicht zur nationalsozialistischen Diktatur gekommen wäre, wenn die Habsburgermonarchie 1918 nicht untergegangen wäre.
Dann hätte es vielleicht keine Besatzung gegeben, und der Kommunismus wäre nicht gekommen.
Aber das sind historisch außerordentlich umstrittene Vergleiche und Gedankenspiele.
Ich glaube nicht, dass Geschichte auf diese Weise funktioniert.
2. Leistungen und historische Verwerfungen der habsburgischen Herrschaft
Moderator:
Ich möchte an dieser Stelle eine aktuelle Nachricht einschieben: Das Abgeordnetenhaus hat inzwischen die angekündigte Abstimmung durchgeführt und den Entwurf des Staatshaushalts für das kommende Jahr in erster Lesung angenommen.
Wir setzen nun unser Gespräch über die Habsburger fort.
Wie schwierig ist es heute, ein objektives Bild davon zu gewinnen, was die böhmischen Länder während der fast 400 Jahre habsburgischer Herrschaft erlebt haben?
Was haben uns die Habsburger gegeben? Und worin bestehen die historischen Kränkungen und Ungerechtigkeiten, die wir ihnen vorwerfen – möglicherweise zu Recht, möglicherweise aber auch zu Unrecht?
Jaroslav Šebek:
Ich würde sagen, dass wir zunächst festhalten müssen, dass sich die böhmischen Länder während der Habsburgermonarchie sowohl künstlerisch als auch wissenschaftlich weiterentwickelt haben.
Selbstverständlich gab es zeitweise auch eine demokratisch geprägte Form des politischen Systems, insbesondere seit den 1860er-Jahren.
Es gab Entwicklungen, die zeigten, dass sich auch das tschechische nationale Leben durchaus gut entfalten konnte.
Aber natürlich gab es ebenso Ungerechtigkeiten und historische Kränkungen.
Diese hingen mit der unbewältigten Situation des wachsenden Nationalismus zusammen.
Hinzu kam das Bestreben, ein einheitliches katholisches Religionsmodell durchzusetzen.
Meiner Ansicht nach sind dies jene historischen Kränkungen, die nach 1918 immer wieder hervorgetreten sind und die bis in die Gegenwart fortwirken.
3. Die Sehnsucht nach der alten Monarchie
Moderator:
Im Jahr 2018, anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung der Tschechoslowakei, wurde eine Umfrage veröffentlicht.
Ihr zufolge war ein großer Teil der Tschechen der Ansicht, dass es uns heute besser ginge, wenn Österreich-Ungarn nicht zerfallen wäre.
Sie haben bereits angedeutet, wie schwierig es ist, eine solche alternative Geschichtsentwicklung zu beurteilen.
Aber woher stammt dieses Gefühl, diese Sehnsucht nach der Vergangenheit?
Jaroslav Šebek:
Ich würde sagen, dass wir es hier mit dem sogenannten Erinnerungoptimismus zu tun haben, wie wir Historiker es nennen.
Die Menschen neigen dazu, die problematischen Seiten der Vergangenheit zu vergessen und sich vor allem an das Positive zu erinnern.
Das zeigt sich letztlich auch heute bei diesem Gottesdienst im Veitsdom.
Die Habsburgermonarchie war schließlich auch von zahlreichen Festlichkeiten und Zeremonien geprägt.
Und an solche Dinge erinnert man sich natürlich gerne.
Man kann außerdem sagen, dass hier, wie ich bereits erwähnt habe, während bestimmter Zeitabschnitte ein verhältnismäßig großer Friede beziehungsweise eine gewisse Ruhe herrschte.
Das ermöglichte auch die Entfaltung der bürgerlichen Kultur und jener Lebensweise, die wir heute als die gute alte Zeit bezeichnen würden.
Und ich denke, dass sich die Menschen auf eine gewisse Weise unbewusst nach dieser Welt zurücksehnen.
4. Eigenstaatlichkeit oder Zugehörigkeit zu einem größeren Staatsverband?
Moderator:
Was folgt daraus für die Gegenwart?
War es eine Epoche, in der wir unsere staatliche Souveränität verloren hatten?
Oder war die Zugehörigkeit zu einem größeren und stärkeren Staatsverband für uns in mancher Hinsicht sogar vorteilhaft?
Jaroslav Šebek:
Nun, wir müssen uns zunächst bewusst machen, dass dies Teil einer dynastischen Politik war.
Die Habsburger waren bestrebt, neue Gebiete zu gewinnen und dadurch ihren politischen und machtpolitischen Einfluss in Europa zu stärken.
Allerdings zeigte sich dann, insbesondere gegen Ende des 19. Jahrhunderts, dass unterschiedliche Nationalismen aufeinanderprallten.
Es gab den tschechischen Nationalismus, den deutschen Nationalismus, den ungarischen Nationalismus und entsprechende Entwicklungen auch in anderen Teilen der Monarchie.
Das wurde schließlich zu einem Problem, das nicht mehr gelöst werden konnte.
Und den letzten Schlag versetzte der Monarchie dann tatsächlich der Erste Weltkrieg.
Dabei muss man auch sagen, dass es Kaiser Franz Joseph I. war, der Serbien den Krieg erklärte.
5. Die Warnung von 1848 und der Vergleich mit der Europäischen Union
Moderator:
Bei der Vorbereitung auf unser Gespräch habe ich ein Zitat von Karel Havlíček Borovský aus dem Jahr 1848 gefunden.
Er schrieb:
„Eine vollständige Selbständigkeit wäre für uns Tschechen unter den heutigen Verhältnissen, da überall gewaltige Reiche entstanden sind, ein reines Unglück.
Wir wären zunächst immer nur ein äußerst schwacher Staat, von anderen abhängig, und darüber hinaus wäre unsere Nationalität stets in größter Gefahr.“
Das ist eine Beschreibung, die beinahe auch auf unsere Gegenwart passen könnte: eine neue Epoche der Rivalität zwischen Großmächten und so weiter.
Können wir hier Parallelen erkennen?
Jaroslav Šebek:
Nun, solche historischen Parallelen sind immer sehr schwer zu ziehen.
Ich habe vorhin das Interview mit Karl von Habsburg-Lothringen verfolgt.
Auch der Vergleich zwischen der Habsburgermonarchie und der Europäischen Union steht meiner Ansicht nach auf etwas wackligen Beinen.
Denn die Europäische Union entstand unter völlig anderen Voraussetzungen als die Habsburgermonarchie.
Wir müssen uns beispielsweise bewusst machen, dass die Europäische Union als ein Projekt entstand, das Kriege verhindern sollte.
Das kann man von der Habsburgermonarchie in dieser Form natürlich nicht behaupten.
Die Monarchie war zweifellos ein Staatsgebilde, das zahlreiche Völker und verschiedene historische Länder zu einem gemeinsamen Ganzen vereinte.
Aber die Europäische Union gehört dennoch in eine ganz andere Kategorie.
Denn die Prozesse ihrer Entstehung beruhten auf demokratischen Grundsätzen.
Und ich denke, dass die Europäische Union auch weiterhin ein demokratisch verfasstes System darstellt.
6. Abschluss
Moderator:
Ich danke Ihnen für dieses Gespräch, Herr Jaroslav Šebek, Historiker und Publizist. Einen schönen Abend.
Jaroslav Šebek:
Ich danke Ihnen für die Einladung und wünsche Ihnen und den Zuschauern ebenfalls einen schönen Abend.
